Dysphagie
Die Dysphagie ist der Fachbegriff für eine Störung des Schluckvorgangs, die den sicheren Transport von Nahrung, Flüssigkeiten oder Speichel vom Mund in den Magen beeinträchtigt. Es gibt verschiedene Ursachen, durch die eine Dysphagie entstehen kann. Sie macht sich durch vier zentrale Anzeichen bemerkbar: Das Leaking (unkontrolliertes, vorzeitiges Abfließen der Nahrung in den Rachen), das Zurückbleiben von Speiseresten in der Wange (Residuen), sowie das Eindringen von Material in den Kehlkopfbereich (Penetration) oder direkt in die Luftröhre (Aspiration). Charakteristisch für eine Dysphagie sind häufiges Räuspern, ein verzögertes Auslösen des Schluckreflexes sowie das häufige Verschlucken, welches oft mit Hustenreiz oder einer „feuchten“ Stimme einhergeht. Störungen des Schluckvorgangs ausgelöst durch neurologische Erkrankungen (z. B. durch einen Schlaganfall) nennt man neurogene Dysphagien. Sie stellen eine besondere klinische Form dar.
Die klinische Relevanz der Dysphagie ist groß, da sie zu schwerwiegenden medizinischen Folgen führen kann. Dazu zählt besonders die Aspirationspneumonie, eine Lungenentzündung, die durch Fremdstoffe ausgelöst wird, die in die Atemwege gelangt sind. Zudem führen Schluckstörungen häufig zu einer Mangelernährung und Dehydratation, was den allgemeinen Gesundheitszustand der betroffenen Personen weiter verschlechtern kann. Neben den physischen Folgen bedeutet eine Dysphagie für die betroffenen Personen oft einen erheblichen Verlust an Lebensqualität und sozialer Teilhabe, da das gemeinsame Essen durch Scham oder Angst erschwert wird.
In der pflegerischen Versorgung nehmen Pflegefachpersonen eine zentrale Rolle ein. Zu den wesentlichen Kompetenzen gehört die frühzeitige Identifikation von Warnsignalen und Hinweisen auf eine Schluckstörung. Im pflegerischen Alltag unterstützen Pflegende die betroffenen Personen durch die Anpassung der Kostform (z. B. Andicken von Flüssigkeiten), die Anleitung zu sicheren Schlucktechniken und die gezielte Vermeidung von Komplikationen. Durch die engmaschige Überwachung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie die Umsetzung vorbeugender Maßnahmen wird der Entstehung von Mangelernährung und Dehydratation aktiv entgegengewirkt. Eine enge multiprofessionelle Zusammenarbeit, insbesondere mit Logopäd:innen und dem ärztlichen Personal, ist dabei unerlässlich, um die therapeutischen Maßnahmen individuell abzustimmen und die Sicherheit der betroffenen Personen nachhaltig zu gewährleisten.
Die Lernwelt SuperNurse deckt folgende Themenschwerpunkte in dem Fachthema Dysphagie ab:
Einführung:
Das Kapitel "Einführung" gibt einen Überblick über die Fortbildungsinhalte zum Thema Dysphagie. Es werden zentrale Begriffe rund um die Dysphagie eingeführt und die Komplexität von Essen und Trinken als Zusammenspiel verschiedener Muskeln im Mund, Rachen und in der Speiseröhre erläutert. Dazu wird das anatomische Grundlagenwissen zu den beteiligten Strukturen präsentiert. Um den Schluckablauf nachvollziehbar beschreiben und lernen zu können, werden die vier Schluckphasen verständlich dargestellt. Ergänzend werden die vier im Alltag häufig vorkommenden Leitsymptome einer Dysphagie praxisnah erklärt.
Ursachen und medizinische Folgen:
In diesem Kapitel werden Ursachen behandelt, die in den direkt am Schluckvorgang beteiligten Strukturen entstehen, darunter Erkrankungen, Verletzungen, Entzündungen sowie weitere lokale Auslöser. Risikofaktoren werden in Form konkreter Risikohinweise dargestellt, die aufzeigen, wie sich eine Dysphagie im pflegerischen Alltag äußern kann. Ergänzend werden indirekte Hinweise anschaulich erläutert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den möglichen Folgen, wie beispielsweise einer Mangelernährung, Dehydratation und Aspiration. Das frühzeitige Erkennen dieser Folgen sowie deren Prophylaxe werden als zentrale Aufgaben im pflegerischen Alltag hervorgehoben.
Diagnostik, Therapie und Beratung:
In der Übersicht über diagnostische Maßnahmen und deren Zielsetzungen stehen insbesondere die Verfahren der Videofluoroskopie sowie der funktionellen endoskopischen Evaluation des Schluckens im Fokus. Es wird vermittelt, wodurch sich diese Verfahren auszeichnen und wie ihre Ergebnisse eng mit den ableitbaren therapeutischen Maßnahmen verknüpft sind. Die Therapieziele werden in verschiedene Zielgruppen eingeteilt. Es wird erläutert, wann welche Ziele relevant werden und wie sich diese alltagsnah umsetzen lassen. Ergänzend werden praktische Hilfestellungen, die Stärkung der Patientenedukation sowie der Einbezug von Angehörigen thematisiert.
Pflege von Menschen mit Dysphagie:
Im pflegerischen Alltag besteht häufig Unterstützungsbedarf bei der Nahrungsaufnahme. Daher werden in diesem Kapitel die grundlegenden Regeln, Hinweise zur Atmosphäre sowie alltagsnahe Tipps und Handlungsempfehlungen dargelegt, die Sicherheit im Umgang mit betroffenen Personen geben. Thematisiert wird zudem die Praxis, Medikamente unbemerkt in Speisen (z. B. Joghurt) zu geben. Dies kann nicht nur zu einer Aspiration führen, sondern ist aufgrund von einer möglichen fehlenden Einwilligung nicht im Alltag vertretbar. Auch die Nutzung von Schnabelbechern wird kritisch eingeordnet und begründet, warum der Einsatz häufiger hinterfragt werden sollte. Passend dazu werden geeignete Alternativen und Hilfsmittel vorgestellt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt bei den Notfallmaßnahmen im Falle einer Fremdkörperaspiration. Ziel ist es, allen beteiligten Personen eine klare Orientierung sowie verlässliche Handlungsschritte für diese akute Situationen zu geben.
Ernährung und Konsistenzstufen:
Die Anpassung der Konsistenz stellt ein zentrales Thema bei Dysphagie dar und ist häufig mit der Vorstellung verbunden, ausschließlich einheitlichen Speisebrei essen zu müssen. Dieses Kapitel stellt alltagstaugliche und praxisnahe Ideen vor, wie Speisen trotz Konsistenzanpassung variabel, genussvoll und ansprechend zubereitet werden können, einschließlich kleiner Handgriffe, die das Anrichten appetitlich gestalten. Darüber hinaus werden Dickungsmittel als Hilfsmittel präsentiert und es wird erläutert, welche Eigenschaften für die praktische Anwendung besonders relevant sind. Ergänzend wird mit IDDSI ein internationales System zur einheitlichen Einteilung von Konsistenzstufen für Speisen und Getränke eingeführt, das Schlucksicherheit verbessern soll und objektiv messbare Konsistenzstufen definiert.
Neurogene Dysphagie:
Dieses Kapitel widmet sich neurogenen Dysphagien, also Schluckstörungen, die durch Erkrankungen des Nervensystems entstehen. Da der Schluckakt durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Hirnareale und Nervenbahnen koordiniert wird, können neurologische Erkrankungen die Steuerung erheblich beeinträchtigen. Neben dem Schlaganfall werden auch andere neurologische Erkrankungen thematisiert. Aufbauend darauf wird ein spezifisch geeigneter therapeutischer Ansatz, die F.O.T.T. (Facio-Orale Trakt Therapie), als Methode zur Mundstimulation nach dem Bobath-Konzept vorgestellt. Dabei wird vermittelt, wie diese Therapie im interprofessionellen Kontext eingesetzt wird und welche pflegerischen Unterstützungsmaßnahmen sich daraus praxisnah ableiten lassen.


