Strukturmodell: Elemente II-IV
Das Strukturmodell verfolgt das Ziel, den Dokumentationsaufwand in der Pflege spürbar zu reduzieren – ohne dabei Abstriche bei der Qualität der Informationssammlung zu machen. Während Element I (die Strukturierte Informationssammlung, kurz SIS®) in einem eigenen Fachthema vertieft wird, stehen hier die Elemente II bis IV im Fokus: die individuelle Maßnahmenplanung, das Berichteblatt zur Erfassung von Abweichungen sowie die Evaluation. Gemeinsam bilden die 4 Elemente das Herzstück eines schlanken, aber fachlich fundierten Pflegeprozesses.
Eine professionelle Pflegedokumentation ist weit mehr als ein bürokratisches Pflichtprogramm – sie ist das zentrale Instrument, um individuelle Bedürfnisse, Wünsche und Veränderungen im Pflegeverlauf sichtbar zu machen und darauf gezielt reagieren zu können. Gerade in Zeiten knapper Ressourcen und steigender Anforderungen bietet das Strukturmodell Pflegepersonen und Einrichtungen gleichermaßen eine praxistaugliche Möglichkeit, Dokumentation effizienter zu gestalten – und dabei den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.
Einführung:
In der Einführung werden die fachlichen und konzeptionellen Grundlagen des Strukturmodells in der Pflegedokumentation thematisiert. Es beleuchtet das EinSTEP-Projekt sowie die Aktualisierung 3.1 als wichtige Meilensteine auf dem Weg zu einer praxistauglichen und fachlich ausgerichteten Dokumentation. Im Mittelpunkt stehen dabei die Person-Zentrierung, der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und das zugrunde liegende Pflegeverständnis. Das sind die Grundprinzipien, die eine würdevolle und individuelle Pflege sicherstellen. Ergänzend wird der vierschrittige Pflegeprozess der WHO als Handlungsrahmen für Pflegefachpersonen vorgestellt sowie die Bedeutung von Qualität und Qualitätssicherung als unverzichtbare Bestandteile professioneller Pflege herausgearbeitet.
Das Strukturmodell:
Das erste Kapitel stellt das Modell in seiner Gesamtheit vor. Grundlage ist ein person-zentrierter Ansatz, der sich an den Aktivitäten und Lebensbereichen des Begutachtungsinstruments nach SGB XI orientiert und auf aktuellen pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen zu pflegerischen Handlungsfeldern im Kontext von Pflegebedürftigkeit aufbaut. Die vier Elemente des Modells werden einzeln vorgestellt: Element I, die Strukturierte Informationssammlung (SIS®), bildet die Grundlage für den gesamten Pflegeprozess. Element II beschreibt die individuelle Maßnahmenplanung, die die gesammelten Informationen in konkrete pflegerische Handlungen überführt. Element III, das Berichteblatt, dient der Erfassung von Abweichungen und ermöglicht eine zeitnahe, individuell angepasste Reaktion. Schließlich beschreibt Element IV den Evaluationsprozess, mit dem die Wirksamkeit der Pflege regelmäßig überprüft und angepasst wird.
Element II - Maßnahmenplan:
Das Kapitel „Element II – Maßnahmenplan" erläutert, wie die Erkenntnisse aus der SIS® und der Eigeneinschätzung der pflegebedürftigen Person in konkrete Maßnahmen überführt werden. Der Maßnahmenplan umfasst geplante Maßnahmen für den Pflege- und Betreuungsalltag sowie Maßnahmen mit erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf. Ergänzend kann dem Maßnahmenplan eine Grundbotschaft vorangestellt werden, die wichtige persönliche Aspekte der pflegebedürftigen Person – wie Wünsche, Vorlieben oder besondere Bedürfnisse – kompakt zusammenfasst und so für alle Beteiligten im Pflege- und Betreuungsalltag transparent macht. Grundsätzlich dokumentiert der Maßnahmenplan nur etablierte und dauerhaft geplante Maßnahmen. Vorläufige oder neue Maßnahmen werden zunächst im Berichteblatt erprobt, beobachtet und bewertet, bevor sie in den Maßnahmenplan übernommen werden.
Element III - Berichteblatt:
Im Kapitel „Element III – Berichteblatt" wird das Berichteblatt als zentraler „Impulsgeber" für die Steuerung des Pflegeprozesses vorgestellt. Es ermöglicht, Veränderungen im Gesundheitszustand frühzeitig zu erkennen sowie notwendige Anpassungen geplanter Maßnahmen oder des Risikomanagements gezielt einzuleiten. Voraussetzung dafür ist, dass alle an der Versorgung beteiligten Mitarbeitenden – Pflegende, Betreuende, Therapeut:innen oder gegebenenfalls Hauswirtschaftspersonen – Zugang zum Berichteblatt haben und berechtigt sind, Einträge vorzunehmen. Dabei gilt: Einträge wie „alles wie immer" oder „keine besonderen Vorkommnisse" sind wenig hilfreich und sollten vermieden werden. Das Berichteblatt soll stattdessen klare und nachvollziehbare Informationen liefern, die eine professionelle Weiterarbeit ermöglichen.
Element IV - Evaluation:
In diesem Kapitel wird die Evaluation als vierter Schritt im Pflegeprozess präsentiert. Im Strukturmodell orientiert sie sich nicht an starren Routinen, sondern erfolgt gezielt und situationsbezogen – ein Ansatz, der die fachliche Relevanz der Evaluation stärkt, jedoch Erfahrung und Übung erfordert. Im Mittelpunkt steht dabei nicht ein einzelnes Dokument, sondern stets die Gesamtsituation der pflegebedürftigen Person, da nur eine ganzheitliche Betrachtung aller Elemente des Pflegeprozesses fundierte Entscheidungen ermöglicht.
Das Kapitel unterscheidet zwei Formen der Evaluation: Der kleine Evaluationskreis ist die in der Praxis am häufigsten genutzte Form. Er kommt zum Einsatz, wenn nur einzelne Maßnahmen angepasst werden müssen und sich die Gesamtsituation der pflegebedürftigen Person nicht grundlegend verändert hat. Der große Evaluationskreis hingegen wird nur in Ausnahmefällen angewendet, z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei fortschreitender Verschlechterung des Gesundheitszustands. Er kann eine vollständige Neuausrichtung der Versorgung erfordern, einschließlich einer erneuten Einschätzung entlang aller Themenfelder der SIS® sowie der Erstellung eines neuen Maßnahmenplans.


