Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege
Das Schmerzmanagement spielt in der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen eine zentrale Rolle. Hierbei sollten die unterschiedlichen Schmerzarten berücksichtigt werden. Wir sprechen bei Schmerzen entweder von akuten oder von chronischen Schmerzen. Auch ein gemeinsames Auftreten beider Formen ist möglich. Besonders zu beachten ist: Schmerzempfinden ist immer subjektiv.
Akuter Schmerz zeichnet sich durch seine zeitliche Begrenzung aus und geht einher mit einer drohenden oder tatsächlichen Gewebsschädigung. Er ist eine Schutzfunktion des Körpers. Auswirkungen dieser Schmerzart können physisch und psychisch sein. Besonders wenn der Schmerz nicht ausreichend gelindert wird, kann es zu einer starken Belastung kommen sowie zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität. Es besteht die Gefahr der Chronifizierung bei unzureichender Behandlung. Chronische Schmerzen hingegen können noch eine weitaus belastendere Herausforderung darstellen. Der chronische Schmerz fungiert nicht mehr als die eigentliche Warnfunktion des Körpers, sondern ist entweder dauerhaft oder wiederkehrend vorhanden über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten. Es besteht die Gefahr, dass der Schmerz den Mittelpunkt des Seins einnimmt. Gängige Begleiterscheinung bei chronischen Schmerzen sind Stress, Angst sowie die Anstrengung Lebensfreude und -qualität minimal erhalten zu können.
Das Erkennen, Erfassen, Vorbeugen und Lindern von Schmerzen sind gängige pflegerische Handlungskompetenzen, die durch den vorliegenden Expertenstandard evidenzbasiert gestützt werden. Zielgruppe sind alle Menschen, die unter Schmerzen leiden oder bei denen in absehbarer Zeit mit Schmerzen zu rechnen ist. Eine Eingrenzung des pflegerischen Settings gibt es in diesem Fall nicht. Je nach Schmerzsituation unterscheidet man hier zwischen stabil und instabil und passt die pflegerischen Maßnahmen und Interventionen daran an.
Die SuperNurse-App deckt folgende Themenschwerpunkte des Expertenstandards Schmerzmanagement ab:
Einführung:
Das Kapitel „Einführung“ schafft die Grundlage für den Expertenstandard Schmerzmanagement. Zu Beginn werden wichtige Zahlen, Daten und Fakten vorgestellt, ergänzt durch zentrale Definitionen rund um das Thema Schmerz. Es wird hervorgehoben, dass Schmerz sehr unterschiedlich erlebt werden und ausgeprägt sein kann und daher eine respektvolle und person-zentrierte Haltung besonders wichtig ist. Zudem werden die Ziele des Schmerzmanagements sowohl bei akutem als auch bei chronischem Schmerz erläutert. Grundlegende Aspekte wie die Entstehung und Funktion von Schmerz, physiologische Zusammenhänge sowie das Schmerzgedächtnis werden verständlich aufgegriffen. Auch die Bezüge zur Organisationsentwicklung, zum Begutachtungsinstrument sowie zum Strukturmodell, und den QPR in der vollstationären Pflege werden hergestellt. So bietet das Kapitel einen umfassenden und gut verständlichen Einstieg in das Schmerzmanagement in der Pflege.
Schmerzeinschätzung:
Dieses Kapitel zeigt, wie eine systematische Schmerzerfassung im Pflegealltag gelingen kann. Dabei werden das Wissen, die Fähigkeiten und die Verantwortung von Pflegefachpersonen im Umgang mit Schmerz benannt. Zudem wird zwischen akutem und chronischem Schmerz verständlich unterschieden. Das Kapitel macht deutlich, warum eine strukturierte Schmerzerfassung wichtig ist und wie sie im Alltag umgesetzt werden kann. Außerdem stellt das Kapitel praxisnahe Screenings und Assessments vor und verdeutlicht dadurch, worauf bei einer guten Schmerzeinschätzung geachtet werden sollte. Hinweise zur Verlaufskontrolle, zu unterschiedlichen Schmerzsituationen und zur Einbindung pflegerischer Schmerzexpertinnen und -experten runden das Kapitel ab.
Planung, Koordination, Interprofessionalität:
Hier wird aufgezeigt, wie Schmerzmanagement in komplexen Versorgungssituationen strukturiert und personenorientiert umgesetzt werden kann. Im Mittelpunkt steht der Behandlungsplan für Menschen mit Schmerzen und der Aspekt, welche Aufgaben Pflegefachpersonen dabei übernehmen. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig eine gute interprofessionelle Zusammenarbeit ist, damit alle beteiligten Personen abgestimmt handeln können. Vorgestellt werden unter anderem die Verfahrensregelung als Orientierung im pflegerischen Alltag, der individuelle Behandlungsplan und die daran beteiligten Berufsgruppen. Darüber hinaus wird erläutert, woran stabile und instabile Schmerzsituationen erkannt werden können und welche Aufgaben Pflegefachpersonen in akuten und chronischen Verläufen übernehmen. Auch die Förderung von Selbstmanagementkompetenzen und eine gelingende Beziehungsgestaltung werden erläutert, da beides wesentlich zu einem wirksamen Schmerzmanagement beiträgt.
Information, Schulung, Beratung von Menschen mit Schmerzen:
In diesem Kapitel wird die Information, Beratung und Schulung durch Pflegefachpersonen in den Mittelpunkt gestellt. Es erklärt, welche Ziele damit verbunden sind und welche Bedeutung diese Aufgaben im Pflegealltag haben. Betont wird, dass die Umsetzung stark von den Rahmenbedingungen der Einrichtung abhängt, zum Beispiel in zeitlicher, personeller oder räumlicher Hinsicht. Das Kapitel greift auf, wie Schulungs- und Beratungsangebote zielgruppengerecht und alltagstauglich gestaltet werden können. Berücksichtigt werden dabei Menschen mit akutem oder chronischem Schmerz, Kinder, Personen in palliativen Situationen und Bewohnerinnen und Bewohner der stationären Altenhilfe. Auch die Einbindung von An- und Zugehörigen wird als wichtiger Bestandteil thematisiert. So vermittelt das Kapitel praxisnah, wie Information, Beratung und Schulung verständlich, wirksam und individuell umgesetzt werden können.
Medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen, Nebenwirkungen:
Dieses Kapitel führt in den ganzheitlichen Behandlungsansatz des Schmerzmanagements ein und verbindet medikamentöse mit nicht-medikamentösen Maßnahmen. Im Bereich der Schmerzmedikation wird ausführlich dargestellt, welche Kompetenzen Pflegefachpersonen mitbringen sollten, welche Aufgaben sie in stabilen sowie in instabilen akuten und chronischen Schmerzsituationen übernehmen und warum auch die Schmerzprophylaxe eine wichtige Rolle spielt. Berücksichtigt werden außerdem Besonderheiten der Schmerztherapie bei älteren Menschen sowie Anzeichen eines möglichen Medikamentenmissbrauchs. Als wichtige theoretische Grundlage dient dabei das WHO-Stufenschema.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf nicht-medikamentösen Maßnahmen. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie ihre Auswahl sinnvoll erfolgt und welche schmerzbeeinflussenden Faktoren dabei beachtet werden sollten. Auch die Sichtweise der betroffenen Personen wird einbezogen, sodass deutlich wird, welche Bedeutung nicht-medikamentöse Maßnahmen im Erleben und im Alltag von Menschen mit Schmerzen haben.
Evaluation, Wirkungsüberprüfung:
Das Kapitel „Evaluation und Wirksamkeitsprüfung“ zeigt, wie Schmerzsituationen regelmäßig und gezielt ausgewertet werden können. Im Fokus stehen dabei der Verlauf der Schmerzsituation, das Erreichen individueller Therapieziele und die Wirksamkeit der eingeleiteten pflegerischen Maßnahmen. Das Kapitel verdeutlicht, welche Informationsquellen dafür genutzt werden können und welche Personengruppen an der Beurteilung beteiligt sind.
Darüber hinaus wird aufgezeigt, welche Inhalte in Evaluationsgesprächen eine Rolle spielen, wie häufig eine Evaluation sinnvoll ist und warum in bestimmten Situationen auch eine tägliche oder anlassbezogene Überprüfung nötig sein kann. Dabei werden verschiedene Versorgungsbereiche, etwa der Akutbereich oder der palliative Kontext, miteinbezogen. So vermittelt das Kapitel praxisnah, wie regelmäßige auswertende Gespräche gestaltet werden können und welche Anpassungen sich daraus für die weitere Schmerztherapie ergeben.
Die letzte Aktualisierung des Expertenstandards wurde vom DNQP im Jahr 2020 durchgeführt. Hier wurden die zuvor separaten Expertenstandards für akuten und chronischen Schmerz zu einem vereinigt.




