SIS in der Pflege: Das Strukturmodell einfach erklärt

Die Strukturierte Informationssammlung – kurz SIS® – bildet den Einstieg in das Strukturmodell der Pflegedokumentation. Sie hilft Pflegefachpersonen dabei, Wünsche, Fähigkeiten, Unterstützungsbedarfe und Risiken einer pflegebedürftigen Person strukturiert zu erfassen und daraus individuelle Maßnahmen abzuleiten.

Auf Basis der EinSTEP-Schulungsunterlagen 3.1 – fachlich geprüft.

Ein Computerbildschirm welcher ein Screenshot des SuperNurse Cockpit und die mobile Version der App zeigt.Beispiel-Lernfrage aus der SuperNurse-App: „Was gehört in Feld B der SIS®?“ – richtige Antwort: Die Sicht der Person
Feld B: Originalton
6 Themenfelder
Matrix: 5 Phänomene
Überblick

Das Wichtigste in Kürze

Sechs Punkte, die den Kern der Strukturierten Informationssammlung beschreiben.

Einstieg in den Pflegeprozess

Erstes von vier Elementen des Strukturmodells – sie steuert Planung, Durchführung und Evaluation.

01

Kein Formular, ein Konzept

Ein pflegefachliches Konzept, kein Formular. Anwendung durch geschulte Pflegefachpersonen.

02

Vier Felder, eine Logik

A allgemeine Informationen, B Perspektive der Person, C1 Themenfelder, C2 Matrix.

03

Die Person kommt zuerst zu Wort

Impulsfragen öffnen das Gespräch. Feld B wird im Originalton dokumentiert.

04

Risiken im Zusammenhang

Fünf pflegesensitive Phänomene – Dekubitus, Sturz, Ernährung, Inkontinenz, Schmerz – im Kontext der Gesamtsituation.

05

Schlanker, nicht oberflächlicher

Weniger Doppel- und Überdokumentation – ohne fachliche Standards aufzugeben.

06
1
Definition

Was ist die Strukturierte Informationssammlung?

Die Strukturierte Informationssammlung (SIS®) ist das Kernstück der Informationssammlung im Strukturmodell und der Einstieg in den vierphasigen Pflegeprozess. Sie erfasst die Situation einer pflegebedürftigen Person aus zwei Perspektiven: aus ihrer eigenen und aus der pflegefachlichen.

Erstellt wird sie von einer Pflegefachperson – ambulant beim Erstbesuch, stationär im Aufnahmegespräch. Erfasst werden Bedarfe, Betreuungsbedürfnisse, Potenziale zur Förderung der Selbstständigkeit und relevante biografische Aspekte. Daraus entstehen Maßnahmenplan und Evaluation.

Kurz erklärt

Ein ganzheitlicher Erhebungsanatz mittels Biografie, Wünschen, Ressourcen, Risiken und Unterstützungsbedarfen für ein umfassendes Bild einer pflegebedürftigen Person. Anwenden soll sie nur, wer zum Strukturmodell geschult ist.

Drei Ziele, die das Konzept der SIS verfolgt

  • Person-zentrierung: Selbstbestimmung und Selbstständigkeit im Mittelpunkt.
  • Stärkung der Fachlichkeit: Die Einschätzung der Pflegefachperson zählt.
  • Entbürokratisierung: Nur dokumentieren, was fachlich und rechtlich nötig ist.

Von der ersten Frage bis zur Evaluation

Gespräch

Impulsfragen, Sicht der Person

SIS® Feld C1

Fachliche Einschätzung in sechs Themenfeldern

Matrix Feld C2

Einschätzung pflegesensitiver Phänomene

Maßnahmenplan

Chronologisch nach Tagesverlauf

Berichteblatt

Abweichungen und besondere Ereignisse

Evaluation

Anlassbezogen statt nach starrer Routine

2
grundlagen

Das Strukturmodell: vier Elemente, ein Pflegeprozess

Das Strukturmodell bildet den vierphasigen Pflegeprozess ab und gilt einrichtungsübergreifend für alle Versorgungsbereiche der Langzeitpflege. Die SIS ist das erste Element – seine Wirkung entfaltet das Modell erst, wenn alle vier zusammenspielen.

01

Strukturierte Informationssammlung

Einstieg in den Pflegeprozess: Eigeneinschätzung der Person, fachliche Einschätzung in sechs Themenfeldern, Matrix als systematische, zusammenfassende Bewertung..

Ergebnis: Einschätzung der Situation
02

Individueller Maßnahmenplan

Zweiter Schritt im Pflegeprozess: Individuelle Maßnahmenplanung basierend auf der SIS und durch ergänzende Informationen von Team, An- und Zugehörigen.

Grundlage: Felder B, C1 und C2
03

Berichteblatt

Abweichungen, akute Ereignisse und besondere Beobachtungen – auch positive. Alle an Pflege und Betreuung Beteiligten tragen ein, nicht nur die Pflege.

Funktion: Impulsgeber im Prozess
04

Evaluation

Individuell und anlassbezogen statt nach Kalender. Zentrales Verfahren ist die vertiefte Einschätzung – etwa durch befristete Beobachtung oder Expertise.

Auslöser: meist das Berichteblatt
Elemente II–IV im Detail: Maßnahmenplan, Berichteblatt, Evaluation

Für die Dokumentation einer Evaluation gibt es zwei Wege: den kleinen Evaluationskreis aus Maßnahmenplan, Berichteblatt und Evaluation – und den großen Evaluationskreis, der zusätzlich in die SIS zurückführt, wenn sich die Einschätzung selbst verändert hat.

Häufig verwechselt – und rechtlich oft hinterfragt

„SIS“ und „Strukturmodell“ sind nicht dasselbe: Die SIS ist ein Teil des Modells, wenn auch der bekannteste. Und die verbreitete Sorge, eine verschlankte Dokumentation verstoße gegen den Grundsatz „Was nicht dokumentiert ist, ist nicht durchgeführt worden“, ist geprüft: Eine juristische Expertengruppe hat das Thema 2014 sozial-, haftungs- und berufsrechtlich bewertet und die Ergebnisse in der sogenannten Kasseler Erklärung zusammengefasst. Die Maßstäbe und Grundsätze der Versorgungsbereiche bestätigen das Strukturmodell als fachlich geeignete Grundlage, und die Dokumentation nach dem Modell ist mit den Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR) vereinbar.

3
Aufbau der sis

Der Aufbau der SIS: die vier Felder A, B, C1 und C2

Die SIS gliedert sich in vier Felder. Diese Struktur ist in allen Versorgungsformen identisch – ambulant, vollstationär, Tages- und Kurzzeitpflege. Die Abschnitte bauen logisch aufeinander auf, und der Weg von der ersten Aussage bis zur Matrix sollte nicht unterbrochen werden.

A

Allgemeine Informationen

Stammdaten aus der Software, Datum, Handzeichen – plus verbindlicher Abschluss.

B

Perspektive der pflegebedürftigen Person

Impulsfragen im Gespräch. Was die Person sagt, steht im Originalton.

C1

Themenfelder

Pflegefachliche Einschätzung in sechs Themenfeldern – knapp, stichpunktartig, wertneutral.

C2

Matrix

Fünf pflegesensitive Phänomene im Zusammenhang mit den Themenfeldern.

Die Felder bauen aufeinander auf – der Weg von Feld B bis zur Matrix sollte nicht unterbrochen werden.

Feld
Was hineingehört
Typische Stolperstelle
A · Allgemeine Informationen
Name und Geburtsdatum (meist automatisch aus der Software), Datum des Gesprächs, Handzeichen der Pflegefachperson, verbindlicher Abschluss
Fehlendes Datum oder Handzeichen; unklar, wer die fachliche Verantwortung für die Einschätzung trägt
B · Perspektive der pflegebedürftigen Person
Was die Person selbst schildert: Vorstellungen zum Unterstützungsbedarf, Ängste, Vorlieben, was sie gerade bewegt – im Originalton
Aussagen werden in Fachsprache übersetzt oder durch die Sicht der Angehörigen ersetzt
C1 · Themenfelder
Knappe, wertneutrale fachliche Einschätzung zu den sechs Themenfeldern, stichpunktartig
Textbausteine, defizitorientierte Sprache, Diagnosen und Medikationspläne im Text
C2 · Matrix
Einschätzung der pflegesensitiven Phänomene im Zusammenhang mit den Themenfeldern, inklusive Entscheidung über eine weitere Einschätzung
Die Matrix wird als isolierte Ankreuzübung behandelt statt als Bewertung der Gesamtsituation

Feld B: die Impulsfragen

Feld B beginnt nicht mit einer Checkliste, sondern mit Impulsfragen – im offenen Gespräch entwickelt, nicht schematisch abgefragt:

  • Was bewegt Sie im Augenblick? Was brauchen Sie? Was können wir für Sie tun?
  • Was bringt Sie zu uns? – besonders bedeutsam in Tages-, Kurzzeit- und vollstationärer Pflege.
  • Kann die Person selbst keine Auskunft geben: indirekte Fragen an An- und Zugehörige („Was war ihr beim Essen wichtig?“).

Die Schilderungen und Wünsche der pflegebedürftigen Person werden im Originalton dokumentiert. Eine Interpretation oder Übersetzung in Fachsprache ist ausdrücklich zu vermeiden.

Sinngemäß nach den Informations- und Schulungsunterlagen EinSTEP 3.1

Was sich je Versorgungsform unterscheidet

  • Felder A und B: ambulant und vollstationär identisch, eigene Varianten für Tages- und Kurzzeitpflege.
  • Feld C1: nur Themenfeld 6 ist auf den Versorgungsbereich zugeschnitten.
  • Feld C2: ambulant zusätzlich die Spalte Beratung – aus leistungsrechtlichen Anforderungen.

Unterschrift in Feld A

Die Unterschrift der pflegebedürftigen Person ist optional und wird selten genutzt – empfohlen bleibt sie trotzdem: Sie dokumentiert die beidseitige Verbindlichkeit der abgestimmten Wünsche. Elektronisch wird der Schritt praktikabel.

4
Themenfelder

Die sechs Themenfelder der SIS

In Feld C1 beschreibt die Pflegefachperson die Situation in sechs Themenfeldern. Sie orientieren sich an den Aktivitäten und Lebensbereichen des Begutachtungsinstruments nach SGB XI – gemeinsame Sprache also, wenn es um Pflegegrad, Prüfung und Planung geht. Zu jedem Themenfeld gehören Leitfragen und Leitgedanken: Die Leitfragen sind verbindlich festgelegt, die Leitgedanken kann das Qualitätsmanagement intern um eigene Schwerpunkte ergänzen.

Themenfeld 1

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Orientierung, Gedächtnis, Verstehen und Entscheiden, Hören und Sehen, Mitteilung von Bedürfnissen – und ob Risiken erkannt werden. Auch herausforderndes Verhalten gehört hierher.

Leitfrage

Inwieweit kann sich die Person zeitlich, persönlich und örtlich orientieren, interagieren sowie Risiken und Gefahren erkennen?

Beispielformulierungen anzeigen
Themenfeld 2

Mobilität und Beweglichkeit

Fortbewegung drinnen und draußen, Positionswechsel, Sitzen, Aufstehen, Treppen, Hilfsmittel – und wie viel Teilhabe daraus entsteht.

Leitfrage

Inwieweit kann sich die Person frei und selbstständig innerhalb und außerhalb der Wohnung bzw. des Wohnbereichs bewegen?

Beispielformulierungen anzeigen
Themenfeld 3

Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen

Was Erkrankung und Therapie im Alltag bedeuten: Belastungen, Umgang mit Schmerz oder Inkontinenz, Bewältigungsmuster.

Leitfrage

Inwieweit liegen krankheits- und therapiebedingte sowie für Pflege und Betreuung relevante Einschränkungen vor?

Beispielformulierungen anzeigen
Themenfeld 4

Selbstversorgung

Körperpflege, Kleiden, Ernährung, Ausscheidung – was gelingt, zählt genauso wie der Unterstützungsbedarf.

Leitfrage

Inwieweit ist die Fähigkeit zur Körperpflege, zum Kleiden, zur Ernährung und zur Ausscheidung eingeschränkt?

Beispielformulierungen anzeigen
Themenfeld 5

Leben in sozialen Beziehungen

Kontakte, Tagesgestaltung, Gewohnheiten – und was der Person daran wichtig ist.

Leitfrage

Inwieweit kann die Person Aktivitäten im näheren Umfeld und im außerhäuslichen Bereich selbst gestalten?

Beispielformulierungen anzeigen
Themenfeld 6

Haushaltsführung bzw. Wohnen und Häuslichkeit

Das einzige Themenfeld, das je Versorgungsform variiert: ambulant Haushaltsführung, vollstationär der neue Lebensraum.

Leitfrage (ambulant)

Inwieweit kann die Person Aktivitäten der Haushaltsführung zu Hause selbst gestalten?

Beispielformulierungen anzeigen

Themenfeld 6 nach Versorgungsform – die Themenfelder 1 bis 5 sind in allen Settings gleich.

Versorgungsform
Themenfeld 6
Leitfrage, verkürzt
Ambulante Pflege
Haushaltsführung
Inwieweit kann die Person Aktivitäten der Haushaltsführung zu Hause selbst gestalten?
Vollstationäre Pflege
Wohnen und Häuslichkeit
Inwieweit kann die Person Aspekte der Gestaltung ihres neuen Lebensraums artikulieren?
Tagespflege
Alltagsfähigkeiten und Rückzugsbedürfnisse
Inwieweit kann die Person Aktivitäten ihres Alltags benennen und Hinweise auf Rückzugsbedürfnisse geben?
Kurzzeitpflege
Aufenthalt in der Kurzzeitpflege
Welche Wünsche bestehen für die Versorgung zu Hause – und was bedeutet das für den Aufenthalt?

Drei Regeln, die viel Ärger ersparen

  • Leitfragen sind Orientierung, keine Checkliste – sie dürfen auch nachträglich als „Denke an“ dienen.
  • In den Themenfeldern stehen noch keine Maßnahmen. Die entstehen erst im Maßnahmenplan.
  • Keine feste Vorgabe, welcher Inhalt in welches Themenfeld gehört – die Pflegefachperson entscheidet und verweist bei Bedarf quer.
5
Risikoeinschätzung

Die Matrix in Feld C2: Risiken im Zusammenhang einschätzen

Die Matrix – häufig auch Risikomatrix genannt – verknüpft die Themenfelder mit den pflegerischen Handlungsfeldern, die bei Pflegebedürftigkeit besonders häufig auftreten. Fünf pflegesensitive Phänomene werden eingeschätzt: Dekubitus, Sturz, Ernährung, Inkontinenz und Schmerz.

Die Matrix ist ein eigenständiger Teil der strukturierten Informationssammlung, kein Anhang zu den Themenfeldern: Nach einem Themenfeld wird nicht automatisch die zugehörige Zeile ausgefüllt. Bewertet werden Zusammenhänge – und ob daraus Handlungsbedarf entsteht.

Schritt 1

Aussage im Themenfeld

„Steht nachts ohne Rollator auf, um zur Toilette zu gehen.“

Schritt 2

Zusammenhang bewerten

Welches Phänomen hängt prioritär mit diesem Themenfeld zusammen – hier: Sturz.

Schritt 3

Ja / Nein ankreuzen

Und: Ist eine weitere Einschätzung erforderlich?

Ergebnis

Anhaltspunkt für den Maßnahmenplan

Wer die Maßnahme umsetzt, ist hier noch offen.

Risiko

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein unerwünschtes Ereignis eintritt, wenn keine vorbeugenden Maßnahmen erfolgen. Ein Problem liegt noch nicht vor.

Pflegesensitives Phänomen

Eine beobachtbare Erscheinung, ein Verhalten oder eine Reaktion, die für Pflege und Betreuung relevant ist – wahrgenommen von Pflegenden oder geäußert von der Person selbst.

Problem

Eine tatsächlich bestehende, konkret beschreibbare Beeinträchtigung, die pflegerisches Handeln erfordert.

Themenfeld
Dekubitus
Sturz
Ernährung
Inkontinenz
Schmerz
Sonstiges
1 · Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Ja
2 · Mobilität und Beweglichkeit
Ja
Ja
3 · Anforderungen und Belastungen
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4 · Selbstversorgung
Ja
Ja
5 · Soziale Beziehungen

Wie die Matrix bearbeitet wird

Die Bewertung erfolgt über ein Ankreuzverfahren nach dem Prinzip einer Befunderhebung: Ja oder Nein, ergänzt um die Frage, ob eine weitere Einschätzung erforderlich ist. Für den Weg durch die Matrix sind zwei Varianten zulässig – die Einrichtung oder die Pflegefachperson entscheidet:

  • Variante A: je Themenfeld von links nach rechts. Der Blick bleibt im Themenfeld und richtet sich auf Ursachen und Wechselwirkungen.
  • Variante B: je Phänomen von oben nach unten. Der Blick richtet sich auf ein Risiko und darauf, was alle Themenfelder dazu beitragen.

Vier Punkte, an denen es in der Praxis oft klemmt

  • Ein „Nein“ heißt nicht „kein Problem“ – bekannte Themen können stabil bewältigt sein.
  • Ein bestehendes Phänomen wird immer mit „Ja“ dokumentiert, auch wenn es gut bewältigt wird.
  • Die Matrix darf nicht verändert werden. Ergänzungen nur über die Spalte „Sonstiges“, etwa Hautintegrität.
  • Die Ersteinschätzung erfolgt basierend auf Fachlichkeit und Berufserfahrung – so wie es die DNQP-Expertenstandards vorsehen.
Übersicht: Expertenstandards in der Pflege
6
Praxis

Wie schreibt man eine gute SIS?

Gute SIS-Einträge sind kurz, konkret und erkennbar auf eine bestimmte Person bezogen. Wer sie liest, weiß danach, was zu tun ist – und warum. Vollständige Sätze braucht es dafür nicht.

  • Stichpunktartig: Knappe Formulierungen sind gewünscht, ganze Sätze nicht nötig – der Name muss nicht wiederholt werden.
  • Aktive Verben: „geht unsicher“, „trinkt bereitgestellte Getränke“ statt „kann nicht mehr“.
  • Wertneutral: beobachtbares Verhalten statt Bewertung – „verlässt große Runden früh“ statt „unkooperativ“.
  • Individuell: Ein Eintrag, der auf zehn Akten passt, hilft in keiner davon.
  • Verständlich für alle: Auch Betreuung und Hauswirtschaft arbeiten mit dem Text.
  • Relevant: Nur was für Pflege und Betreuung Bedeutung hat – Biografie inklusive, aber nicht schematisch.

Vorgefertigte Textbausteine widersprechen der individuellen Situationsbeschreibung – und stehen nicht im Einklang mit dem person-zentrierten Ansatz des Strukturmodells.

Sinngemäß nach den Informations- und Schulungsunterlagen EinSTEP 3.1

Von der Standardformulierung zur individuellen SIS

Beide Einträge beschreiben dieselbe Bewohnerin. Nur einer davon ist handlungsleitend – und der ist kürzer.

Standardformulierung

So eher nicht

„Frau Müller ist dement und kann viele Dinge nicht mehr selbstständig durchführen.“

  • pauschal – gilt für beliebig viele Personen
  • defizitorientiert – „kann nicht mehr“ statt aktiver Verben
  • Diagnose statt fachlicher Einschätzung
  • nicht handlungsleitend – niemand weiß, was zu tun ist

Aus diesem Satz lässt sich keine Maßnahme ableiten und kein Eintrag in der Matrix begründen. In der Qualitätsprüfung bleibt offen, worauf sich die Planung stützt.

Individuelle Einschätzung

So gelingt es

„Wäscht Hände, Gesicht und vorderen Oberkörper selbst am Waschbecken – Rücken, Beine, Füße mit Unterstützung – Erkennt Pflegende am Vornamen, versteht einzelne kurze Ansagen gut – Steht nachts ohne Rollator auf, um zur Toilette zu gehen“

  • stichpunktartig – schnell erfassbar im Dienst
  • aktive Verben, wertneutral formuliert
  • fähigkeitsorientiert – benennt, was gelingt
  • handlungsrelevant – Maßnahmen und Matrix folgen daraus

Der letzte Stichpunkt begründet zugleich die Einschätzung zum Sturz in der Matrix und die nächtliche Maßnahme im Plan. So entsteht der Zusammenhang zwischen Themenfeld, Phänomen und Planung.

6 Tipps, die in der Praxis den Unterschied machen

1

Die Person zuerst erzählen lassen

Erst zuhören, dann einschätzen. Wer mit dem Formular beginnt, bekommt Antworten auf ungestellte Fragen.

2

Ressourcen so konkret wie Einschränkungen

„Bezahlt selbst an der Kasse“ schützt vor unnötiger Übernahme und begründet Teilhabe.

3

Beobachtbares statt Bewertungen

„Verweigert das Duschen“ wird zu „möchte morgens am Waschbecken gewaschen werden“.

4

Risiken im Zusammenhang denken

Sturzrisiko entsteht nicht aus dem Alter, sondern aus der Situation: nachts, ohne Rollator, zur Toilette.

5

Andere Berufsgruppen einbeziehen

Beobachtungen aus Betreuung, Therapie und Hauswirtschaft gehören dazu.

6

Unterschiedliche Sichtweisen sichtbar lassen

Wenn Person und Fachperson unterschiedlich einschätzen: transparent machen, nicht glätten.

7
Typische Fehler

Typische Fehler – und wie es besser geht

Sechs Stolperstellen – und wie sie sich im Alltag vermeiden lassen.

Feld B in Fachsprache übersetzt

Besser: Die Aussage der Person im Originalton stehen lassen – auch wenn sie knapp, widersprüchlich oder unbequem ist.

Textbausteine über mehrere Akten hinweg

Besser: Beispielformulierungen nur als Orientierung nutzen und pro Themenfeld mindestens ein individuelles Detail ergänzen.

Diagnosen und Medikationspläne in den Themenfeldern

Besser: Diese Angaben gehören auf das Stammblatt. Ins Themenfeld gehört, was die Erkrankung im Alltag bedeutet.

Die Matrix wie eine Checkliste abarbeiten

Besser: Zusammenhänge bewerten statt Zeile für Zeile abhaken – und die Entscheidung über eine weitere Einschätzung fachlich begründen.

Maßnahmen schon in den Themenfeldern beschreiben

Besser: Die SIS schätzt ein. Maßnahmen entstehen erst danach im Maßnahmenplan – sonst steht dasselbe doppelt in der Akte.

Routinemaßnahmen im Berichteblatt bestätigen

Besser: Ins Berichteblatt gehören Abweichungen, akute Ereignisse und besondere Beobachtungen – auch positive.

8
Aktualisierung

Neu in EinSTEP 3.1: Was sich in den Schulungsunterlagen geändert hat

In der Praxis haben sich über die Jahre unterschiedliche Varianten entwickelt – nicht immer mit den erwünschten Effekten. Die Aktualisierung räumt auf, ohne die Prinzipien zu ändern.

  • Neue Gliederung: Die Unterlagen sind in drei Hauptkapitel gegliedert und an die aktuellen Entwicklungen angepasst.
  • Evaluation als eigenes Kapitel: Element 4 wird erstmals als eigenständiger Abschnitt geführt – mit Begriffsklärungen zu Ersteinschätzung, vertiefter Einschätzung und Einschätzungsinstrumenten.
  • Unklarheiten beseitigt: Zur Umsetzung der Matrix in der SIS, zum Verfahren der Evaluation und zur einheitlichen Verwendung von Begriffen.
  • Digitalisierung und KI: Die Unterlagen gehen überwiegend von einer EDV-gestützten Dokumentation aus; Inhalte zu Digitalisierung und künstlicher Intelligenz sind ergänzt.
  • Tages- und Kurzzeitpflege integriert: Diese Abschnitte stehen nicht mehr separat, sondern in den allgemeinen Ausführungen zum Strukturmodell.
  • Juristische Aspekte verteilt: Der eigenständige Rechtsabschnitt wurde gekürzt und in die übrigen Kapitel eingearbeitet.

Der wichtigste Unterschied: Die Unterlagen lassen Einrichtungen bewusst mehr Gestaltungsspielraum – solange die Prinzipien des Modells eingehalten werden. Die Frage ist damit seltener „Dürfen wir das?“ und häufiger „Können wir begründen, warum wir es so machen?“

9
Wissenscheck

Wissen Sie, worauf es bei der SIS wirklich ankommt?

Testen Sie Ihr Wissen mit echten Lernfragen im SuperNurse-Stil.

  • Drei Fragen, etwa eine Minute – so lernen Pflegende in SuperNurse.
  • Nach jeder Antwort folgt die fachliche Begründung, nicht nur ein Häkchen.
  • Ohne Anmeldung. Die Fragen stammen aus dem Fachthema „Strukturmodell: Element I“.
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Lernen mit SuperNurse

Strukturmodell lernen, ohne die nächste 60-Minuten-Schulung

Fachwissen bleibt nicht durch einmalige Schulungen präsent, sondern durch Wiederholung. Genau dafür ist die Lern-App gebaut: kurze Quizrunden statt langer Blöcke.

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Wissen wird regelmäßig und in kleinen Einheiten aufgefrischt – in wenigen Minuten pro Runde.

Praxisnah

Lernen lässt sich in den Arbeitsalltag integrieren – im Dienst, in der Pause oder zu Hause.

Aktuelle Fachinhalte

Die Inhalte werden fortlaufend aktualisiert – dieses Fachthema basiert auf den Schulungsunterlagen EinSTEP 3.1.

Nachweise und Lernfortschritt

Leitungspersonen behalten Lernaktivitäten und Qualifikationen im Blick – inklusive Zertifikaten.

Das Fachthema „Strukturmodell: Element I (SIS®)“ in der Lern-App

1

Einführung

Zahlen und Fakten, Aktualisierungen in EinSTEP 3.1, Person-zentrierung, Pflegebedürftigkeitsbegriff, vierphasiger Pflegeprozess, Qualität

2

Die SIS® und Feld A

Funktion und Aufbau, Anwendung in den Settings, allgemeine Informationen, verbindlicher Abschluss

3

Perspektive der pflegebedürftigen Person (Feld B)

Impulsfragen, Erzählung in eigenen Worten, settingspezifische Aspekte

4

Prinzipien im Umgang mit den Themenfeldern (Feld C1)

Gesprächsführung, praktische Anwendung, Leitfragen und Leitgedanken

5

Themenfelder 1 bis 3

Kognition und Kommunikation, Mobilität, krankheitsbezogene Anforderungen

6

Themenfelder 4 bis 6

Selbstversorgung, soziale Beziehungen, Themenfeld 6 in allen vier Versorgungsformen

7

Anwendung der Matrix (Feld C2)

Konzeption, Prinzipien, Spalte Beratung, Varianten der Bearbeitung, Schnittstelle zur Maßnahmenplanung

Elemente II–IV im Detail: Maßnahmenplan, Berichteblatt, Evaluation
SuperNurse-Cockpit: Lernstand eines Wohnbereichs je Fachthema in Prozent
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Strukturmodell 3.1

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28.10.2026
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10
FAQ

Häufige Fragen zur SIS und zum Strukturmodell

Was bedeutet SIS in der Pflege?
Was ist eine Strukturierte Informationssammlung?
Welche sechs Themenfelder gehören zur SIS?
Wer darf die SIS ausfüllen?
Wie schreibt man eine SIS richtig?
Was gehört nicht in die SIS?
Was ist der Unterschied zwischen SIS und Pflegeplanung?
Was ist die Matrix bzw. Risikomatrix in der SIS?
Wie oft muss die SIS aktualisiert werden?
Ist das Strukturmodell verpflichtend?
Was ist neu in EinSTEP 3.1?
Wie können Pflegekräfte das Strukturmodell lernen?
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