Brandschutz in der Pflege einfach erklärt

Bis die Feuerwehr eintrifft, sind Pflegende auf sich gestellt. Brandklassen, Löschmittel und das richtige Verhalten im Brandfall – kompakt erklärt für Menschen, die im Ernstfall schnell und richtig handeln müssen.

Auf Basis von DGUV-Information 205-001 und der Fachempfehlung für Pflegeeinrichtungen – fachlich geprüft.

Ein Computerbildschirm welcher ein Screenshot des SuperNurse Cockpit und die mobile Version der App zeigt.
5 Brandklassen
Horizontale Räumung
Überblick

Das Wichtigste in Kürze

Sechs Punkte zum Brandschutz in Pflegeeinrichtungen.

Kohlenmonoxid ist die größte Gefahr

Die meisten Brandopfer sterben durch Rauchgas – nicht durch Flammen. Schon wenige Atemzüge führen zur Bewusstlosigkeit.

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Fünf Brandklassen, unterschiedliche Löschmittel

Ein universell einsetzbares Löschmittel gibt es nicht – die Brandklasse entscheidet.

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Horizontale statt vertikale Räumung

In Pflegeeinrichtungen wird meist in den nächsten Brandabschnitt gebracht, nicht ins Freie.

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Türen schließen wirkt sofort

Eine geschlossene Tür begrenzt die Rauchausbreitung für wertvolle Minuten.

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Jährliche Unterweisung ist Pflicht

Mindestens einmal jährlich, dokumentiert und mindestens zwei Jahre aufbewahrt.

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Löschdecke ist kein Ersatz für Feuerlöscher

Bei brennender Kleidung ist ein Wasser- oder Schaumlöscher deutlich wirksamer und sicherer.

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Grundlagen

Wie ein Brand entsteht

Ein Brand braucht zwei Dinge: einen brennbaren Stoff, der mit Sauerstoff ein zündfähiges Gemisch bildet, und eine Zündquelle mit ausreichender Energie.

In deutschen Betrieben werden der DGUV jährlich rund 2.000 Arbeitsunfälle gemeldet, deren Ursache auf Brände und Explosionen zurückgeht. Häufigste Ursache ist mit rund einem Drittel die Elektrizität, gefolgt von menschlichem Fehlverhalten und Überhitzung.

Ein Gerichtsurteil, das die Haltung dahinter zeigt

„Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar.“ (OVG Münster, 10A 363/86)

Warum Brandrauch die eigentliche Gefahr ist

Rauchausbreitung beginnt sofort nach der Entstehung, lautlos und sehr schnell. Weil in geschlossenen Räumen weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, entsteht bei der Verbrennung giftiges Kohlenmonoxid – geschmacklos, geruchlos, unsichtbar. Es blockiert die Sauerstoffaufnahme im Blut und führt schon nach wenigen Atemzügen zur Bewusstlosigkeit. Die Mehrzahl der Brandopfer stirbt nicht im Brandraum selbst, sondern in angrenzenden oder entfernten Räumen, in die sich Brandgase ausgebreitet haben.

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Brandklassen

Welches Löschmittel für welchen Brand?

Die europäische Norm DIN EN 2 teilt Brände nach der Natur des Brennstoffs in fünf Klassen ein – ein universell einsetzbares Löschmittel gibt es nicht.

Klasse A

Feste Stoffe

Holz, Papier, Textilien, Kohle, Autoreifen – Stoffe, die unter Glutbildung verbrennen.

Klasse B

Flüssige Stoffe

Benzin, Öle, Lacke, Wachse, Teer – flüssige oder flüssig werdende Stoffe.

Klasse C

Gase

Methan, Propan, Wasserstoff, Erdgas – auch unter Druck stehend.

Klasse D

Metalle

Aluminium, Magnesium, Natrium – nur mit Metallbrandpulver löschen, sonst Explosionsgefahr.

Klasse F

Speiseöle und -fette

Fettbrände in Frittier- und Fettbackgeräten – ausschließlich mit Fettbrandlöscher behandeln.

Elektrisch

Keine eigene Brandklasse

Für Brände elektrischer Anlagen gilt ergänzend DIN VDE 0132 zur Brandbekämpfung.

Geeignete Löschmittel je Brandklasse (schematisch, nach DGUV-Information 205-001).

Löschmittel
A
B
C
D
F
Wasser / Wassernebel
Ja
±
Schaum
Ja
Ja
ABC-Pulver
Ja
Ja
Ja
Kohlendioxid (CO₂)
Ja
Metallbrandpulver
Ja
Fettbrandlöschmittel
±
±
Ja

Bei Metallbränden besonders vorsichtig

Bei Metallbränden dürfen keinesfalls Feuerlöscher anderer Brandklassen eingesetzt werden – das kann zu starker Brandbeschleunigung bis hin zur Explosion führen. Auch CO₂-Löscher bergen in kleinen, engen Räumen Erstickungsgefahr: Ab 8 Volumenprozent CO₂ in der Atemluft besteht Lebensgefahr.

Die Zahlen-Buchstaben-Kombination auf einem Feuerlöscher (z. B. „21A, 113B“) gibt Auskunft über das Löschvermögen je Brandklasse – die Zahl bezeichnet die Größe des abgelöschten Norm-Prüfobjekts, der Buchstabe die Brandklasse.

3
Organisation

Brandschutz­ordnung und Unterweisung

Vier Dokumente bilden das organisatorische Rückgrat: Alarmplan, Brandschutzordnung, Flucht- und Rettungsplan sowie Feuerwehrplan.

Die drei Teile der Brandschutzordnung nach DIN 14096.

Teil
Zielgruppe
Inhalt
Teil A
Alle Personen im Gebäude (Aushang)
Grundlegende Hinweise zu Brandverhütung und Verhalten im Brandfall
Teil B
Personen mit dauerhaftem Aufenthalt, z. B. Beschäftigte
Maßnahmen zur Brandverhütung und Verhalten im Brandfall
Teil C
Personen mit besonderen Aufgaben, z. B. Brandschutzbeauftragte
Erweiterte Pflichten über Teil A und B hinaus

Unterweisungspflicht

  • Mindestens jährlich, vor Aufnahme der Tätigkeit und danach in angemessenen Abständen.
  • Muss Maßnahmen gegen Entstehungsbrände und das Verhalten im Gefahrenfall einschließen.
  • Inhalt und Zeitpunkt schriftlich festhalten, durch Unterschrift bestätigen, mindestens zwei Jahre aufbewahren.

Feuerlöscher: wo, wie viele, wie geprüft

  • Maximal 20 Meter Laufweg zum nächsten Feuerlöscher.
  • Griffhöhe zwischen 0,80 und 1,20 Metern, Kennzeichnung durch das Brandschutzzeichen F001.
  • Tragbare Feuerlöscher mindestens alle zwei Jahre auf Funktionsfähigkeit prüfen lassen.
  • Ein einmal benutzter Feuerlöscher wird nicht zurückgestellt, sondern neu befüllt und geprüft.
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Verhalten

Was im Brandfall wirklich zählt

In Pflegeeinrichtungen sind Pflegende für den entscheidenden Zeitraum – von der Entdeckung bis zum Eintreffen der Feuerwehr – auf sich allein gestellt.

Priorität 1

Brand eingrenzen

Wenn niemand mehr im Raum ist: Tür schließen – nicht abschließen.

Priorität 2

Menschen retten

Ohne Eigengefährdung, notfalls mit Unterstützung durch weiteres Personal.

Priorität 3

Feuerwehr alarmieren

Parallel zur Rettung – Notruf 112, Lage kurz und präzise schildern.

Wenn möglich

Löschversuch

Nur ohne Eigengefährdung, mit Aussicht auf Erfolg und geübtem Umgang mit dem Löschmittel.

Warum diese Reihenfolge

Schon eine einfache Maßnahme wie das Schließen einer Tür kann einen Brand eingrenzen und wertvolle Zeit für Rettung und Alarmierung gewinnen. Grundsatz: Menschenrettung geht immer vor Brandbekämpfung. Ein Löschversuch lohnt sich nur in den ersten Minuten nach der Entstehung – danach reicht ein einzelner Feuerlöscher oft nicht mehr aus.

Was beim Notruf zählt

  • Angaben zum Ort so genau wie möglich.
  • Nur Tatsachen und Beobachtungen melden, keine Vermutungen.
  • Eine Ansprechperson benennen, die die Feuerwehr am Gebäudezugang empfängt und einweist.
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Räumung

Besonderheiten in Pflege­einrichtungen

Menschen mit eingeschränkter Mobilität lassen sich nicht so evakuieren wie mobile Beschäftigte – das prägt das gesamte Brandschutzkonzept.

Häufiger Irrtum

Evakuierung bedeutet nicht automatisch „raus ins Freie“. Jedes Obergeschoss ist in mindestens zwei Brandabschnitte unterteilt, getrennt durch Trennwände, die mindestens 30 Minuten feuer- und rauchundurchlässig sind. Im Ernstfall wird meist horizontal in den benachbarten, noch sicheren Brandabschnitt geräumt – nicht vertikal aus dem Gebäude.

Zur Einordnung: Rettungstempo im Vergleich

Können über einen Flur pro Minute rund 50 gehfähige Personen evakuiert werden, sind es bei Personen im Rollstuhl weniger als die Hälfte – im Pflegebett oder auf einer Trage oft nur eine Person pro Minute, und diese benötigt zusätzlich Unterstützung durch Dritte.

Für Flure

Evakuierungsmatte oder -tuch

Ideal in engen Fluren und Treppenräumen. Wird unter der Matratze im Bett vorgehalten, damit sie sofort einsatzbereit ist.

Für Transport

Evakuierungs­matratze

Mit integrierter Polsterung sowie Rücken- und Kopfschutz – für den liegenden Transport über längere Strecken.

Für Einzelpersonen

Rettungssitz & Tragetuch

Rettungssitz, Rettungswindel oder Trageband mit Schulterpolsterung für kurze Wege und wachere Personen.

Wichtig für alle Hilfsmittel: Ihre Anwendung sollte regelmäßig im Rahmen von Evakuierungsübungen trainiert werden – im Ernstfall bleibt dafür keine Zeit mehr.

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Praxis

Typische Fehler – und wie es besser geht

Sechs Stolperstellen, die im Alltag und bei Prüfungen immer wieder auffallen.

Unterweisung nur einmalig bei Einstellung durchführen

Besser: Mindestens jährlich wiederholen und die Nachweise mindestens zwei Jahre aufbewahren.

CO₂-Löscher in kleinen, engen Räumen ohne Prüfung einsetzen

Besser: Verhältnis von Raumgröße zu Löschmittelmenge vorab prüfen – sonst von außen durch den Türspalt löschen.

Vertikale Räumung als einzige Option planen

Besser: Horizontale Räumung in den nächsten Brandabschnitt als primäre Strategie einüben.

Mehrfachsteckdosen hintereinander verketten

Besser: Maximal 3.000 bis 3.500 Watt je Steckdosenleiste, keine Verkettung mehrerer Leisten.

Personenbrand mit einer Löschdecke bekämpfen

Besser: Wasser- oder Schaumlöscher verwenden – deutlich wirksamer und ohne zusätzliche Verbrennungsgefahr durch Andrücken.

Rauch- und Brandschutztüren werden verkeilt oder festgebunden

Besser: Feststellanlagen oder Freilauf-Türschließer nutzen – sie schließen automatisch im Brandfall.

7
Wissenscheck

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Aktuelle Fachinhalte

Dieses Fachthema basiert auf DGUV-Information 205-001 und den ASR A2.2/A2.3.

Nachweise und Lernfortschritt

Leitungspersonen behalten Pflichtunterweisungen im Blick – inklusive Zertifikaten.

SuperNurse-Cockpit: Lernstand eines Wohnbereichs je Fachthema in Prozent
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FAQ

Häufige Fragen zum Brandschutz in der Pflege

Muss ein benutzter Feuerlöscher sofort ersetzt werden?
Wie weit darf ein Feuerlöscher entfernt sein?
Welches Löschmittel passt zu welcher Brandklasse?
Warum werden Menschen in Pflegeeinrichtungen oft nicht ins Freie evakuiert?
Darf ich eine Löschdecke bei brennender Kleidung verwenden?
Was tue ich zuerst, wenn ich einen Brand entdecke?
Wie oft muss eine Brandschutzunterweisung stattfinden?
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